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Daniela Wolf

Das große Sterben – und warum wir alle aufwachen müssen? Der österreichische Reitsport blutet. Und wir schauen zu.

  • Autorenbild: ART-BOX Copywriter
    ART-BOX Copywriter
  • 23. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Dies ist keine Geschichte über ein bisschen weniger Teilnehmer hier und ein paar Euro mehr Kosten da. Das hier ist die Abrissbirne, die durch unsere Hallen schwingt. Das hier ist der stille Tod von Traditionen, für die unsere Großeltern noch gekämpft haben.

Und die meisten von uns? Die schauen weg.

„Ach, wird schon wieder.“

Nein. Wird es nicht.

Nicht, wenn wir so weitermachen.


Die nackten Zahlen – ein Schlag in die Magengrube


Hör mir zu. Ich will, dass du diese Zahlen nicht liest. Ich will, dass du sie fühlst.

Der Österreichische Pferdesportverband (OEPS) – unser Dachverband – zählt aktuell knapp 50.000 Mitglieder in neun Landesverbänden. Das klingt nach einer stolzen Zahl. Und sie ist es auch – immerhin zählen wir damit zu den zehn größten Sportfachverbänden innerhalb der Sport Austria.


Aber hier kommt der Haken: Das sind nur knapp 50.000.


Zum Vergleich: Die deutsche FN hat 662.926 Mitglieder. Bei ähnlicher Bevölkerungsgröße? Nein. Deutschland hat knapp neunmal so viele Einwohner wie Österreich – aber dreizehnmal so viele Reitsport-Mitglieder.

Wir sind unterrepräsentiert. Wir sind leise. Wir sind unsichtbar.

Und während wir hier um jeden Euro kämpfen, passiert anderswo etwas Entscheidendes: Der Pferdebestand in Österreich wird auf etwa 140.000 Tiere geschätzt. Klingt nach viel? Ist es auch. Aber jeder dieser 140.000 Pferdebesitzer ist ein potenzieller Kunde, ein potenzielles Mitglied, ein potenzieller Teil unserer Community – und wir erreichen sie nicht.



Der Wirtschaftsfaktor, den wir ignorieren? Er hat leider nichts mit dem Reitsport per se zu tun!

Jetzt tut´s gleich richtig weh.

Der Sektor „Pferd“ hat in Österreich im Jahr 2024 eine Wirtschaftsleistung von 4,15 Milliarden Euro erwirtschaftet.


4,15 Milliarden.


Das ist keine Zahl. Das ist ein Wirtschaftsimperium.

Zum Vergleich: 2019 waren es noch 2,3 Milliarden Euro. Der Sektor hat sich in fünf Jahren fast verdoppelt. Die Wertschöpfung ist von 1,09 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 2,02 Milliarden Euro im Jahr 2024 gestiegen – ein Wachstum von 75,1 Prozent.

Und was machen wir mit diesem Wachstum? Nichts.

Wir lassen es liegen. Wir lassen es verpuffen. Wir lassen andere davon profitieren.

Denn diese 4,15 Milliarden Euro sind nicht automatisch Geld für den Reitsport. Es ist Geld, das rund um das Pferd entsteht – in der Futtermittelherstellung, in der Leder- und Metallverarbeitung, in der Gastronomie, im Versicherungswesen, im Handel mit Pferdezubehör.


Und der Reitsport selbst? Der guckt zu.


Die Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen


35.400 Vollzeitarbeitsplätze sichert der Pferdesektor in Österreich. Das ist nicht die Anzahl der Menschen, die irgendwie mit Pferden zu tun haben – das sind Vollzeitarbeitsplätze. Reale Existenzen. Familien, die davon leben.

Und wenn der Reitsport weiter bröckelt, dann bröckeln auch diese Arbeitsplätze.

Die Pferdehaltungsbetriebe erzielen ihre Wertschöpfung durch Zucht, Einstallung, Futterproduktion. Wenn die Turniere weniger werden, wenn die Mitglieder schwinden, wenn die Sponsoren abwandern – dann brechen diese Existenzen weg.

Das ist kein abstraktes Problem. Das ist dein Nachbar. Deine Reitlehrerin. Dein Tierarzt.


Die Turniere – sie verschwinden


In Deutschland sind die Zahlen alarmierend: 28 Prozent Rückgang bei Turnierstarts in den letzten zehn Jahren. 2023 gab es 3.428 nationale Turniere – ein Rückgang von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Prüfungen im Einsteigerbereich gingen um 4,4 Prozent zurück.

Und Österreich? Wir haben keine aktuellen, flächendeckenden Zahlen. Aber wir wissen: Die Trends sind dieselben. Die Kosten steigen überall. Die Inflation trifft uns alle. Die Energiekrise macht vor unseren Hallen nicht halt.


Was in Deutschland passiert, ist der Vorbote dessen, was uns in Österreich bevorsteht – wenn wir nicht handeln.


Das Problem heißt: Wir verstehen Sponsoren nicht


Jetzt könntest du sagen: „Dann müssen die Sponsoren halt mehr zahlen!“

Falsch.

Sponsoring ist ein Geschäft. Keine Wohltätigkeit. Es ist ein Vertrag zwischen zwei Partnern, die ein gemeinsames Ziel haben: Erfolg.


Die meisten Veranstalter scheitern bei der Sponsorensuche, weil sie nicht verstehen, was ein Sponsor wirklich will. Es geht nicht um das Logo auf der Bande. Es geht um die Zielgruppe. Es geht um Vertrauen. Es geht darum, Teil der Community zu sein.

Ein Sponsor will nicht dein Event retten. Ein Sponsor will sein eigenes Business retten – oder besser: pushen.


Und wenn du das nicht kapiert hast – wenn du immer noch mit der Bettel-Mentalität durch die Gegend läufst und „Bitte, bitte, gib mir Geld“ flüsterst – dann wirst du nie einen großen Deal landen.


Die Konsequenz: Wir müssen umdenken


Hier ist die harte Wahrheit: Der österreichische Reitsport ist ein Milliardenmarkt, der sich selbst nicht vermarktet.

Wir haben 140.000 Pferde. Wir haben 50.000 Mitglieder. Wir haben 4,15 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung. Wir haben 35.400 Arbeitsplätze.

Und wir schaffen es nicht, Sponsoren davon zu überzeugen, dass sie Teil dieser Community sein sollten?


Dann machen wir etwas falsch.


Die Lösung: Gemeinsam statt einsam


Ein Turnier kann nur dann zukunftsfähig sein, wenn es wirtschaftlich stabil, gesellschaftlich akzeptiert und emotional relevant bleibt.

Und genau hier kommst DU ins Spiel.


Was du als Reiter tun kannst

Unterstütze deinen Verein. Geh auf Turniere. Zeig Präsenz. Rede mit Sponsoren – nicht nur über dein Hobby, sondern darüber, was der Sport für die Gesellschaft bedeutet. Zeig ihnen die Zahlen. Zeig ihnen die 4,15 Milliarden.


Was du als Veranstalter tun kannst

Hör auf, um Geld zu betteln. Fang an, den Wert deines Events zu zeigen. Verstehe, was Sponsoren wirklich wollen – und liefere genau das. Zeig ihnen: „Hier sind deine Kunden. Hier ist deine Zielgruppe. Hier ist deine Zukunft.“


Was du als Fan tun kannst

Geh hin. Schau zu. Zeig, dass der Pferdesport relevant ist. Denn nur was gesehen wird, wird auch gefördert.


Was du als Community tun kannst

Haltet zusammen. Unterstützt euch gegenseitig. Zeigt der Welt, dass der Pferdesport mehr ist als ein paar Reiter auf einem Platz – dass er Community, Tradition und Leidenschaft verbindet. Dass er 4,15 Milliarden Euro wert ist.


Die goldene Zukunft – aber nur, wenn wir kämpfen


Die Herausforderungen sind groß – aber nicht unlösbar.

Der Pferdesektor in Österreich wächst. Die Zahlen sprechen für sich: 4,15 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung, 35.400 Arbeitsplätze, 140.000 Pferde.

Das Potenzial ist da!!!

Aber wir müssen es nutzen. Wir müssen aufhören, in unserem kleinen Kosmos zu denken. Wir müssen anfangen, den Reitsport als das zu sehen, was er ist: ein Wirtschaftsfaktor. Eine Milliardenbranche. Ein Jobmotor.

Und wir müssen anfangen, Sponsoren nicht als Bittsteller, sondern als Partner zu sehen.


Die Frage, die du dir stellen musst

Was passiert, wenn du nichts tust?

Die Turniere sterben weiter. Die Mitglieder schwinden weiter. Die Sponsoren gehen weiter dorthin, wo sie gesehen werden. Die 4,15 Milliarden Euro fließen weiter an uns vorbei.

Und du?

Du schaust zu.

Oder du handelst. Deine Entscheidung.


Was denkst du? Wie siehst du die Zukunft des österreichischen Reitsports? Schreib es in die Kommentare – ich bin gespannt auf deine Meinung. Und wenn du diesen Beitrag bis hierhin gelesen hast: Dann teile ihn. Denn nur wer gesehen wird, wird auch gehört. 🐴❤️




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