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Daniela Wolf

Interview mit Nadja Steinbach (ehemals Pollhammer): Vom wilden Pony zur erfolgreichen Züchterin in Niederösterreich

Autorenbild: ART-BOX Copywriter
ART-BOX Copywriter
28. Aug.
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Aug.

Eine Geschichte wie sie nur das Leben schreiben kann. Nadja Steinbach, exklusiv im Interview bei Art-Box. Sie begann ihre Karriere mit neun Stürzen auf einem wilden Pony-Mix – heute ist Nadja Steinbach eine der Erfolgszüchterinnen Österreichs. Im Interview spricht sie über ihre besondere Verbindung zu Johann "Moarli" Breinesel, ihre Philosophie von der "sauberen Reitweise" und wie sie mit ihrem Mann Martin den Hof in Garsten zu einem neuen Zentrum für ihre Pferde gemacht hat.
Nadja und ihr Mann Martin Steinbach. Sie tragen nun gemeinsam das Erbe von Morli <3
Nadja und ihr Mann Martin Steinbach. Sie tragen nun gemeinsam das Erbe von Moarli <3

1. Liebe Nadja, deine Geschichte zeigt, dass der Weg in den Leistungssport nicht immer vorgezeichnet ist. Du hast mit 8 Jahren angefangen und wurdest von einem wilden Pony-Mix gleich neunmal abgeworfen. War das der Moment, in dem du wusstest: "Das ist meine Leidenschaft"?

Nadja Steinbach lacht: Nein, schlimm war das überhaupt nicht! Das gehört einfach dazu. Ich habe damals meinen eigenen "Highscore" geknackt und war irgendwie stolz drauf. Jeden Tag wollte ich wieder hin, um dieses Pony zu bezwingen. Geschafft habe ich es alleine aber nicht. Mitgeholfen hat mir damals Franz Baumgartner in Weistrach. Und so habe ich schon im Kindesalter Johann Breinesel kennengelernt – er war auch immer dort. Das Pony hieß übrigens Naomi, ein Fjordpferd-Mix. Meine Schwester ist mit ihr Dressur geritten, aber ich wollte immer mehr springen. Ich bin einfach dran geblieben.



Naomi - das Pony, dass für den Willen und guten Sitz gesorgt hat und somit den Grundstein für Nadjas Karriere leget!
Naomi - das Pony, dass für den Willen und guten Sitz gesorgt hat und somit den Grundstein für Nadjas Karriere leget!

2. Wie hast du es geschafft, das Vertrauen von Johann "Moarli" Breinesel zu gewinnen – und was war seine wichtigste Lektion für dich?


Ich war auf der Suche nach einer Reitbeteiligung und wurde nicht fündig. Es hat sich dann ergeben, dass Moarli mich reiten gesehen hat und mich gefragt hat, ob ich ein Pferd von ihm reiten kann. Es war eine doppelt veranlagte Stute von A Jungle Prince. Nach und nach folgten weitere Dressurpferde und auch die Mutter meines ersten Fohlens: Sambucca von Belluno. Sie brachte 2013 Sunday's Gold von Stakkato Gold zur Welt. Er war Freispringchampion, siegreich bis CCI 3*, hat 2x an Europameisterschaften teilgenommen und ist bis S Dressur gestartet. Das alles mit meiner Schwester Jana Aigner. Am Anfang war Moarli skeptisch, aber dann merkte er schnell, dass ich gut mit den jungen Pferden kann, und zog mich immer mehr heran. Das Wichtigste, was ich von ihm gelernt habe: Die Jungen immer schön vorwärts reiten. Der Zug nach vorne muss einfach da sein.


Sambucca (v Belluno, Mutter meines ersten Fohlens Sunday's Gold) Sunday hat bis 3* Vielseitigkeit gewonnen und war 2x Teilnehmer Junioren EM
Sambucca (v Belluno, Mutter meines ersten Fohlens Sunday's Gold) Sunday hat bis 3* Vielseitigkeit gewonnen und war 2x Teilnehmer Junioren EM

3. 2019 war ein Wendepunkt: Moarli verstarb, und du hast seine gesamte Zucht übernommen. War das für dich eine Selbstverständlichkeit?


Es war immer klar, auch wenn es keine fixe Abmachung gab. Er wollte mir diese Bürde nicht aufdrücken – ich musste ihm immer wieder zeigen, dass ich es mit allen Konsequenzen will. Es war eine sehr schwierige Zeit neben seiner Krankheit. Der Hof wurde noch vor seinem Tod verkauft und umgebaut. Es wurde ein normaler Einstellbetrieb daraus. Es mussten dann Einstellplätze für die Pferde gefunden werden. Die Stuten kamen zu Heidemarie Spanring nach Lunz, Familie Krenn nahm die Hengste zur Aufzucht. Die Reitpferde fanden im RC Steyr ein neues Zuhause.

Ich bin den Leuten nach wie vor sehr dankbar, dass es den Pferden so gut ging. Sie nicht mehr bei mir zu haben, war aber schwer.


Sunshine mit Johann Breinesel und "unserem" Läufer Jimmy
Im Gedenken an Sunshine mit Johann "Moarli" Breinesel und "unserem" Läufer Jimmy.

4. Euer Hof in Garsten ist 2021 zu eurem neuen Zuhause geworden. Was bedeutet der "Moarhof-Flair" für dich?


Für mich bedeutet das vor allem: Alle Pferde sind wieder da! Von Klein bis Groß, von Alt bis Jung. Bei Moarli waren immer alle Pferde an einem Ort, und das konnte ich nun wieder bündeln. Diese Vertrautheit, dass die Pferde mehr Selbstbestimmtheit haben, einfach ihr Leben leben können – ich sie aufwachsen sehe – das ist für mich das "Moarhof-Flair".






Sunshine und ihr Nachwuchs - das Foto zeigt was mit Moarhof Flair gemeint ist
Sunshine und ihr Nachwuchs - das Foto zeigt was mit Moarhof Flair gemeint ist

5. Du stehst für eine "extrem saubere und ordentliche Reitweise". Was bedeutet das für dich?

(lacht) Ich weiß nicht, ich reite einfach, wie ich reite. Für mich ist vor allem Konsequenz wichtig. Die Pferde müssen sich auf einen verlassen können. Das ist die Grundlage für alles. Meine Trainerin Michaela Papsch-Weixelbaumer achtet aber auch weiterhin auf meinen Reitstil – und dafür an dieser Stelle ein dickes DANKE.


6. Pferde wie Beretta (Bundeschampionesse 2015) oder die aktuelle Vize-Bundeschampionesse Moarhof's Friederike sind Meilensteine. Worauf achtest du bei der Auswahl deiner Zuchtstuten?


Die GGA (Grundgangarten) sind essenziell. Rittigkeit ist mir sogar noch wichtiger. Beide Stuten waren sich ähnlich: vorwärtsdenkende Pferde mit viel Schwung und kleinem Rahmen. Bei den Hengsten achte ich darauf, dass sie aus dem Sport kommen und ebenfalls haltbar sind. For Dance ist ein gutes Beispiel – er ist kein klassischer "Fohlenmacher", aber er bringt super Reitpferde hervor. Er ist selbst topfit. Das Thema Gesundheit und Langlebigkeit habe ich am Anfang nicht so auf dem Schirm gehabt, aber heute ist es mir extrem wichtig.

Eine besondere Stute ist auch Sunshine, die noch von Moarli ist. Sie ist keine Fohlenmacherin, sondern eine liebevolle, etwas schwerere Warmblüterin – stabil, gesund und eine tolle Reitstute. Ihr Nachkomme Ferrero lief Euro-Children und heuer sogar bei der Reserve-Junioren-EM. Ich habe Sunshine anfangs total unterschätzt! Jetzt bin ich unendlich froh, sie zu haben. Sie hat 11 Fohlen in Folge gebracht.


Baretta Bundeschampionesse 2015
Beretta - Bundeschampionesse 2015

7. Der Titel "NÖ Warmblutzüchterin des Jahres 2022" – was hat dir diese Anerkennung bedeutet?


Ja, das war wirklich eine große Ehre! Erst da habe ich so richtig gecheckt, wie viele meiner Pferde vorne mit dabei waren. 2019 kamen ja erst meine ersten beiden eigenen Fohlen. Dass ich da in NÖ so eine Anerkennung bekomme, ist nicht selbstverständlich. Die waren richtig bemüht, dass ich in Niederösterreich bleibe – es wäre ja einfacher gewesen, zum OÖ-Verband zu wechseln auf Grund der Nähe des Hofes zu Stadl Paura. Aber ich wollte Moarlis Ehre im Verband weiterführen.

Als ich von der Ehrung erfuhr, habe ich mich einfach riesig gefreut! Ich bin ja eher der ruhige Typ. Und in dem Artikel des NÖ-Verbandes, wurde dann auch wieder von Moarli erzählt – das hat mich besonders berührt.


8. Deine Zuchtstute For An Angel ("Frieda") hat dir besonders am Herzen gelegen. Warum?


Frieda habe ich als erste Zuchtstute gekauft – über Facebook, von einem Video! Ich dachte nur: "Wow, was für ein Pferd!" Aus heutiger Sicht hätte ich sie mir vielleicht nie angesehen, aber damals bin ich sie probegeritten und habe sie einfach gekauft. Das Probereiten war furchtbar, aber zuhause habe ich sie weiter geritten und sie hat sich super entwickelt. Moarli fragte nur: "Was willst du mit der?" – aber ich habe sie einfach geliebt, sie war mein liebstes Reitpferd und ist dann in die Zucht gekommen. Dieses Jahr hat sie ihr letztes Fohlen bekommen, das ich für eines der besten von ihr bisher halte. Es heißt "Final Dance" – ihr letzter Tanz.


Frieda Zuchtstute
Frieda

9. Dein Ehemann Martin Steinbach reitet selbst nicht, ist aber voll in die Pferdewelt eingetaucht. Wie sieht eure Zusammenarbeit aus?


Martin ist mein absoluter Rückhalt. Er kümmert sich um die ganze Bürokratie, die operativen Dinge, alle Reparaturen, er ist der Heu-Beauftragte und Stallmanager. Er macht die Forecast-Planung – alles, damit ich mir den Rücken für den Reiterjob und die Arbeiten bei den Pferden und Einstellern freihalten kann. Aber er hat auch seine eigenen Pferde! Sein erstes hat er auf der Oldenburger Körung ersteigert, ein 2,5-jähriges, das er bis zum Verkauf fertig ausbilden hat lassen. Er ist voll angefixt mit der Züchterei, Abstammungen sind sein Steckenpferd. Er hat sich sogar schon selbst Hengste ausgesucht und Fohlen gezüchtet. Und bezahlt er mich dafür, dass ich seine Pferde reite? Nein, wir haben einen ganz anderen Deal: Er gibt mir Urlaub! (lacht)


Nadja und ihr Mann Martin, gemeinsam mit ihrem Pferd Monk
Nadja und ihr Mann Martin, gemeinsam mit ihrem Pferd Monk

10. Wenn du auf deinen Weg zurückblickst – was ist für dich das größte Glück an deiner Arbeit?


Das selbstbestimmte Arbeiten! Ich kann mir meinen Tag selber einteilen – das genieße ich sehr. Es ist nie ein 9-to-5-Job. Ich gestalte mein Leben so, dass ich eigentlich nie auf Urlaub fahren muss, weil es mir hier so viel gibt. Nebenbei arbeite ich noch 10 Stunden pro Woche als Krankenschwester. Das sind 3-4 Dienste, und das tut mir richtig gut! Es ist eine Abwechslung, ich komme raus aus der "Pferdebubble" und kann durchatmen. Das ist die perfekte Balance für mich.


Fazit: Mit ihrer bodenständigen Art, ihrem unbändigen Willen und der tiefen Verbundenheit zu den Pferden hat sich Nadja Steinbach nicht nur ein Erbe bewahrt, sondern es mit viel Herz und Verstand zu etwas ganz Eigenem geformt. Der Moarhof in Garsten ist heute ein lebendiges Beispiel dafür, wie Tradition und moderne, selbstbestimmte Pferdehaltung Hand in Hand gehen können.

Mit ihrer unverkennbaren Handschrift – einer Kombination aus feinem Gefühl, eiserner Konsequenz und jahrelanger Erfahrung – hat sich Nadja Pollhammer längst als feste Größe in der österreichischen Pferdezucht etabliert. Für Züchter und Reiter ist sie durch ihre außergewöhnliche Kompetenz im Umgang mit jungen Pferden und ihr verlässliches Ausbildungssystem zu einem unverzichtbaren Ansprechpartner geworden.


Auf dem Moarhof in Garsten entstehen laufend Spitzenpferde – vom vielversprechenden Fohlen über talentierte Jungpferde bis hin zu erfolgreichen Turnierpferden auf höchstem Niveau. Wer Interesse am aktuellen Pferdeangebot hat oder sein Pferd professionell aus- bzw. weiterbilden lassen möchte, kann sich gerne direkt an Nadja wenden.


Kontakt:📱 WhatsApp: +43 664 2171340📍 Gestüt Moarhof – Nadja Pollhammer, Angernstraße 7, 4451 Garsten, Österreich Folgt ihr auch gerne auf Instagram: https://www.instagram.com/nadjasteinbachpollhammer/

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