Aachen, Hagen und die hohe Kunst der Verbandskommunikation
- ART-BOX Copywriter

- 13. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Es ist wieder soweit. Die Saison rollt, die Temperaturen steigen, und in der österreichischen Dressurszene steigt parallel dazu der Puls. Nicht wegen der Hitze – sondern wegen der alljährlichen Frage: Wer darf nach Aachen? Eins steht fest, hier geht´s nicht um mich ;)

Dieses Jahr ist alles anders. Wir haben eine neue Verbandsspitze, einen neuen Dressurreferenten und jede Menge gute Vorsätze. Herbert Gugganig hat nach 23 Jahren Elisabeth Max-Theurer an der Spitze des OEPS abgelöst – mit 66:60 Stimmen, ein Ergebnis, das so knapp war wie manche Grand-Prix-Entscheidung. Christian Steiner ist als neuer Dressurreferent im Amt und verspricht „transparente, offene und direkte Kommunikation“. Klingt gut, oder?
Die erste große Bewährungsprobe: Hagen a.T.W. , das als Sichtung für die WM in Aachen gewertet wurde. Neun österreichische Kandidat:innen traten an, ein Quartett ging im Nationenpreis an den Start. Das Ergebnis? Rang sechs. Nicht berauschend, aber auch nicht katastrophal. Felicita Simoncic (W) war mit 68,304 % die beste Österreicherin, knapp gefolgt von Bettina Kendlbacher (ST) und Peter Gmoser (B).
Doch es ist nicht das Ergebnis, das für Stirnrunzeln sorgt. Es sind die kleinen, feinen Details, die einen aufhorchen lassen.
Die Sache mit der Zuständigkeit
Eine kleine Randnotiz, die mir aufgefallen ist: Als Chef d'Equipe war in Hagen nicht etwa der designierte Dressur-Referent Christian Steiner vor Ort, sondern Nachwuchs-Koordinatorin und Ex-Staatsmeisterin Belinda Weinbauer.
Das ist an sich keine schlechte Besetzung – Belinda Weinbauer kennt die Szene, hat selbst auf hohem Niveau geritten und ist bestens vernetzt. Aber: Wenn ich als Verband einen neuen Dressur-Referenten präsentiere, der mit klaren Ansagen und dem Versprechen von Transparenz an den Start geht, dann frage ich mich doch: Warum schickt man ihn nicht zu seinem ersten großen Einsatz?
Vielleicht gab es einen Terminkonflikt. Vielleicht war es eine bewusste Entscheidung, um Belinda Weinbauer als Nachwuchs-Koordinatorin vor Ort zu präsentieren. Vielleicht war es einfach ein Kommunikationsproblem.
Egal was es war: Transparenz beginnt eben nicht erst bei der Nominierung, sondern schon bei der Frage: Wer ist eigentlich wofür verantwortlich – und warum?
Christian Steiner selbst hat im Vorfeld klare Ziele formuliert: transparenter Austausch, klare Kriterien, eine nachvollziehbare Entscheidungsfindung. Das sind hervorragende Ansätze. Jetzt müssen sie nur noch in der Praxis ankommen – am besten schon beim nächsten Turnier.
Das große Rätsel der Bewertungen
Und dann wäre da noch die Sache mit den Noten. Peter Gmoser und Dante's Daiquiri erhielten im Grand Prix 68,043 %. Soweit, so solide. Was aber die Gemüter erhitzt: Die britische Richterin vergab nur 63,913 %, während Christoph Umbach das Paar auf über 70 % einschätzte.
Ein Unterschied von fast sieben Prozent. Bei einem Notendurchschnitt, der über eine WM-Teilnahme entscheiden kann, sind das Welten. Natürlich ist Dressur kein Sprint, sondern eine Kunst – und Kunst liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Aber wenn die Schere zwischen zwei internationalen Richtern so weit auseinandergeht, stellt sich die Frage: Nach welchen Kriterien wird hier eigentlich bewertet? Und noch wichtiger: Wie soll ein Verband transparent entscheiden, wenn die Grundlage der Entscheidung – die Richterbewertung – selbst so schwankt?
Bettina Kendlbacher: Die eine, die (fast) immer da ist
Bleiben wir bei einer Reiterin, die in den letzten Monaten für Furore gesorgt hat: Bettina Kendlbacher. Sie war in Hagen am Start, ritt eine starke Kür mit 74,845 % und landete auf Platz 6. Sie hat sich für das Weltcup-Finale in Fort Worth qualifiziert, die österreichische Fahne in Texas vertreten und in der Westeuropa-Liga Rang acht belegt. Sie ist aktuell in der FEI-Weltrangliste Platz 99 - also unter den besten 100!
Und dennoch: Wenn ich mir die Nominierungsdiskussionen anhöre, dann scheint ihr Platz im Team alles andere als sicher. Warum?
Liebe Verantwortliche: Wenn eine Reiterin konstant über 70 % reitet, internationale Erfahrung sammelt und in Hagen die beste österreichische Kür zeigt – dann sollte sie nicht in einem undurchsichtigen Auswahlprozess untergehen.
Was wir uns wünschen
Die neue OEPS-Führung hat es in der Hand. Christian Steiner hat die richtigen Worte gefunden. Jetzt müssen Taten folgen.
Was gebraucht wird:
Verbindliche Kriterien, die für alle gelten – und im Ausnahmefall klar kommuniziert werden.
Nachvollziehbare Entscheidungen – keine Hinterzimmer-Diskussionen, sondern offene Kommunikation.
Ein klares Bekenntnis zu den Athlet:innen, die Österreich würdig vertreten – unabhängig von Namen oder Herkunft.
Die WM in Aachen steht vor der Tür. Die Entscheidungen fallen in den kommenden Wochen. Ich hoffe, sie fallen zugunsten des Sports – und nicht zugunsten alter Muster.
Denn eines ist sicher: Die Pferde interessieren sich nicht für Verbandspolitik. 🐴 Und die Zuseher? Die wollen Reiter:Innen wie Bettina und ihren geliebten Alfredo sehen! Eure Dani - ganz unter dem Motto: Fairness für Pferd und Reiter!




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