Fünf neue Referentinnen und Referenten beim OEPS – was in der Verbandsmeldung steht, und was nicht

Der Österreichische Pferdesportverband hat fünf neue Bundesreferentinnen und Bundesreferenten vorgestellt: für das Richterwesen, die Ausbildung, die Pferdezucht, die Ländlichen Reiter und Fahrer sowie für den neu geschaffenen Bereich Reitschulen.
Die Verbandsmeldung dazu besteht aus fünf Porträtfotos, fünf Kurzbiografien und fünf Absichtserklärungen. Das ist als Vorstellung in Ordnung. Als Information für Mitglieder, die wissen wollen, wer künftig über Richterlizenzen, Ausbildungsordnungen und Zuchtförderung mitentscheidet, ist es dünn.
Dieser Beitrag prüft nach, was sich an den Angaben unabhängig belegen lässt, was ausschließlich aus der Verbandsmeldung stammt, und was wir trotz Recherche nicht klären konnten. Der letzte Punkt ist uns wichtig genug für einen eigenen Abschnitt. Wer Aufklärung will, muss auch sagen, wo sie aufhört.
Vorbemerkung zur Methode
Wir haben ausschließlich öffentlich zugängliche Quellen verwendet: Websites der Landesverbände, der Zuchtorganisationen und der betroffenen Vereine, Fachmedien, Firmenbuch-Auszüge über einen gewerblichen Anbieter und Schulwebsites.
Wir haben mit keiner der fünf Personen gesprochen. Wir haben auch keine Anfrage an das OEPS-Büro gerichtet. Was folgt, ist Dokumentenrecherche, kein Interview.
Drei Kategorien ziehen sich durch den Text:
Belegt heißt: in mindestens einer unabhängigen Quelle außerhalb der Verbandsmeldung nachweisbar.
Verbandsangabe heißt: steht so nur in der OEPS-Meldung und wir konnten es nicht gegenprüfen. Das bedeutet nicht, dass es falsch ist.
Offen heißt: wir haben gesucht und nichts gefunden.

Elisabeth Hudec-Semeleder – Richterwesen
Belegt: Sie hat das Richterreferat des Niederösterreichischen Pferdesportverbandes im August 2021 von Waltraud Gruber übernommen, damals als nationale Dressurrichterin bis Grand Prix. Im November 2024 wurde sie gemeinsam mit Markus Jungwirth zur internationalen Level-II-Richterin in der Dressur ernannt, im Mai 2025 zusätzlich zur internationalen Richterin für Para-Dressur Level 2 nach Ausbildungen in Ornago, Waregem und Stadl Paura.
Sie war auf Bundesebene bereits fachlich eingebunden, bevor sie das Referat übernahm. Bei der OEPS-Fortbildung für Dressurpferdeprüfungen im Oktober 2025 war sie als Kursleiterin und Mitglied der Prüfungskommission ausgeschrieben. Im Mai 2026 leitete sie beim Turnier in Kottingbrunn ein zweitägiges Praktikum für zehn Richteranwärterinnen und -anwärter; weitere Praktika für insgesamt 27 Anwärter waren zu diesem Zeitpunkt ausgeschrieben. Sie unterrichtet das Thema auch aus Reitersicht, etwa bei einem Workshop für NÖ-Kaderreiter.
Sie ist selbst Turnierreiterin gewesen; in Ergebnislisten aus den 2000er-Jahren scheint sie in Dressurbewerben auf.
Verbandsangabe: dass sie seit 1998 als Dressurrichterin tätig ist. Das Jahr konnten wir nicht verifizieren - das weiß der Verband aber sicher aus seinen Unterlagen? Oder?
Was das bedeutet: In diesem Fall deckt sich die Ankündigung weitgehend mit der Praxis. Wer Workshops statt Frontalvorträge verspricht, hat das in Niederösterreich bereits so gemacht.
Heinz-Jörg Wächter – Ausbildung
Belegt: Am Agrarbildungszentrum Lambach ist er Fachvorstand Pferdewirtschaft, also in einer Leitungsfunktion, nicht einfach Lehrkraft. Das abz Lambach unterrichtet rund 400 Schülerinnen und Schüler mit etwa 60 Lehrkräften und betreibt neben der vierjährigen Fachschule Pferdewirtschaft den sechsjährigen Lehrgang „Horse Management & Economics" mit HAK-Matura sowie Facharbeiter- und Meisterkurse in der Erwachsenenbildung.
Der im OEPS-Text genannte Championatssieg lässt sich bestätigen: Der Oldenburger Hengst Don Davidoff gewann im September 2000 unter Heinz-Jörg Wächter das Bundeschampionat der dreijährigen Reitpferde. Zwei voneinander unabhängige Fachquellen führen den Sieg mit seinem Namen. Dasselbe Pferd wurde 2002 unter Ulf Möller Weltmeister der jungen Dressurpferde in Verden.
2024 war Wächter einer der verantwortlichen Fachlehrer bei der Student Competition des Equestrian Educational Network im Pferdezentrum Stadl-Paura, veranstaltet von abz und HAK Lambach. Das EEN ist ein 1999 gegründetes Netzwerk europäischer Ausbildungsstätten. Das Format bewertet neben Dressur- und Springprüfungen ausdrücklich auch die Erteilung von Unterricht.
Ein Punkt, der in der Verbandsmeldung fehlt: Im Katalog der AWÖ-Hengsttage im Jänner 2026 wird Wächter in der Kommission als Sportexperte geführt. Er ist also bei der Hengstkörung der Arbeitsgemeinschaft für Warmblutzucht bereits eingebunden.
Verbandsangabe: die Zusammenarbeit mit Dagmar Krech, Hans-Heinrich Meyer zu Strohen, Heinrich-Hermann Engemann und Rudolf Zeilinger sowie die Tätigkeit im Pferdezentrum Stadl-Paura von 2003 bis 2007. Beides konnten wir nicht gegenprüfen.
Eine Frage, die offen bleibt: Wächters nachweisbarer Schwerpunkt ist die Berufsausbildung von Pferdefachkräften und die Ausbildung junger Pferde. Das OEPS-Ausbildungsreferat verantwortet daneben Reitabzeichen, Übungsleiter-, Instruktor- und Trainerlizenzen für Amateure. Wie er diese beiden Ebenen zusammenführen will, geht aus der Meldung nicht hervor.
DI Hans-Peter Machné – Reitschulen
Belegt: Er übernahm die Präsidentschaft der Campagnereitergesellschaft Tirol im Sommer 2021 von Rolf Kapferer, der den Verein über 25 Jahre geführt hatte. Der Verein wurde 1955 gegründet und übersiedelte im Juni 2009 vom Langen Weg in Innsbruck nach Igls, nachdem die Stadt Innsbruck die dortigen Gebäude gekauft, einen zusätzlichen Stalltrakt mit 14 Boxen sowie die Einstellerhalle gebaut und den großen Reitplatz errichtet hatte. Die Anlage umfasst heute 60 Boxen, zwei Hallen zu 60 mal 20 Metern – eine davon eigens für den Schulbetrieb – sowie einen Reitplatz von rund 6.000 Quadratmetern.
Der Verein hat laut eigener Darstellung rund 300 Mitglieder, veranstaltet jährlich mehrere Turniere mit bis zu 120 Zeltboxen und bezeichnet sich als größte Reitschule Westösterreichs. Der Schulbetrieb arbeitet mit durchschnittlich vier Personen, der Einstellbetrieb mit einem Betriebsleiter und vier bis fünf Arbeitern.
Unter Machnés Präsidentschaft wurden bis Herbst 2024 27 von 60 Boxen zu Paddockboxen umgebaut, elf weitere waren in Planung. Die Stadt Innsbruck stattete die Hallendächer mit Photovoltaik aus. Beim Lizenzfrei Cup im Herbst 2025 in Igls nahmen 25 Reiterinnen teil, viele davon auf Schulpferden des Vereins. Ein jährliches Reitschulturnier hatte er bereits 2023 gegenüber einem Regionalmedium als Wunsch formuliert. Regionalmedien führen ihn als Architekten.
Zu präzisieren: Die Verbandsmeldung bezeichnet ihn als Leiter der angeschlossenen Reitschule. Laut Vereinsseite wird der Betrieb vom Vereinsvorstand geführt; für den Einstellbetrieb gibt es einen eigenen Betriebsleiter. Er steht dem Gremium vor, das den Betrieb führt.
Verbandsangabe: der Titel DI. In den uns vorliegenden Medienberichten wird er nur als Architekt bezeichnet.
Offen: Ob das neue Reitschulreferat ein eigenes Budget, eigene Mitarbeiter oder ein Mandat gegenüber den Landesverbänden bekommt, steht in der Meldung nicht. Wir konnten dazu nichts finden. Für ein Referat, das österreichweite Workshops und Änderungen an Regulativen ankündigt, ist das die entscheidende Frage.
Ing.in Irene Mösenbacher-Molterer – Ländliche Reiter und Fahrer
Belegt: Sie ist hauptberuflich an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein tätig, im Institut für Tier, Technik und Umwelt, Bereich Tierhaltungssysteme, Technik und Emissionen. Zu ihren dort ausgewiesenen Projekten zählt eine Untersuchung stromführender Paddock-Umzäunungen in der Pferdehaltung im Hinblick auf die Tiergerechtheit sowie Arbeiten zu klimafitter Pferdehaltung. Die HBLFA ist vom Ministerium als Prüfstelle nach der Fachstellen- und Haltungssystemeverordnung anerkannt.
Sie hat das Pferdeforum an der HBLFA mitbegründet und organisiert es. Es entstand 2023 in Kooperation mit Pferdekraft Austria, dem Landespferdezuchtverband Steiermark, den Ländlichen Reitern und Fahrern Österreich und der LK Steiermark, wird von der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik sowie dem Österreichischen Tiergesundheitsdienst als Fortbildung anerkannt und zählte 2025 über 120 Teilnehmende. Themen waren unter anderem Arbeitspferde, Säumen, Pferdetransport und Holzrücken.
Die Geschäftsführung der Ländlichen Österreich übernahm sie beim 75-Jahr-Jubiläum in Maria Plain von Cornelia Sonnleithner. Sie ist die dritte Frau in Folge in dieser Funktion und wird als gebürtige Steirerin, Züchterin und Reiterin beschrieben.
Zur Mitgliederzahl: Die im OEPS-Text genannten knapp 30.000 Mitglieder bestätigen die Ländlichen selbst. Auf ihrer Website steht allerdings auch, dass der überwiegende Anteil dieser Mitglieder zugleich im Österreichischen Pferdesportverband organisiert ist. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich beziffert die in Reitvereinen organisierten Personen in Österreich mit knapp 50.000 und schreibt, dass über 50 Prozent sowohl der Einzelmitglieder als auch der Vereine bei den ländlichen Organisationen liegen.
Das ist keine Kritik an der Zahl, sondern eine Einordnung, die in der Verbandsmeldung fehlt. Es handelt sich weitgehend um dieselben Menschen.
Was in der Meldung nicht thematisiert wird: Sie ist gleichzeitig Geschäftsführerin einer eigenständigen Organisation und Bundesreferentin im OEPS. Sie geht in ihrem Zitat auf das Konkurrenzverhältnis ein. Wie ein Interessenausgleich bei Terminkollisionen, Meisterschaftsniveaus oder Fördermitteln geregelt ist, steht nicht dort. Wir haben dazu keine öffentliche Regelung gefunden.
Verbandsangabe beziehungsweise offen: Der Titel MEd taucht nur in einer Auflistung auf. Ihre genaue Dienstbezeichnung an der HBLFA konnten wir nicht abschließend klären.
Christoph Wörgötter – Pferdezucht
Belegt: Er wurde bei der Generalversammlung 2016 zum Obmann des Vereins der Warmblutpferdezüchter des Landes Tirol gewählt und folgte damit in eine Funktion nach, die zuvor sein Vater Wolfgang Wörgötter innehatte. Der Familienbetrieb in St. Ulrich am Pillersee wurde 1977 auf Pferdehaltung umgestellt, was die im OEPS-Text genannten 49 Jahre in dritter Generation stützt.
Hauptberuflich ist er Amtsleiter der Gemeinde St. Ulrich am Pillersee. Die Landwirtschaft wird laut einem Betriebsporträt im Nebenerwerb geführt.
Zu präzisieren: Die Formulierung „seit 2016 Obmann des Vereins der Warmblutzüchter Tirols" beschreibt eine Organisation, die es in dieser Form nicht mehr gibt. Nach der Fusion mit dem Tiroler Noriker Pferdezuchtverband führt die heutige Pferdezucht Tirol auf ihrer Kontaktseite Christian Wild als Obmann, Christoph Wörgötter für den Rasseausschuss Warmblut und Christian Preßlaber als Geschäftsführer.
Offen: Ob er derzeit Obmann-Stellvertreter der AWÖ ist, konnten wir nicht bestätigen. Belegt ist nur, dass Josef Wessely seit 2023 AWÖ-Obmann ist. Die AWÖ-Website stellt ihre Vorstandsliste nicht in einer Form bereit, die wir auslesen konnten.
Was die Meldung nicht sagt: Zur heimischen Zucht zählen neben dem Österreichischen Warmblut auch Noriker, Haflinger, Ponys und Vollblutaraber. Ob das Zuchtreferat alle Rassen abdeckt oder einen Warmblutschwerpunkt hat, geht aus der Meldung nicht hervor.
Der Kontext, der in der Meldung fehlt
Die fünf Bestellungen stehen nicht für sich. Bei der OEPS-Generalversammlung am 28. April 2026 wurde ein neues Präsidium mit 66 zu 60 Stimmen gewählt. Damit endete nach 23 Jahren die Präsidentschaft von Sissy Max-Theurer. Neuer Präsident ist Herbert Gugganig, Vizepräsidenten sind Johannes Mayrhofer, Leopold Erasimus, Andrea Blaszczyk und Inge Margreiter. Bereits am Tag nach der Wahl war Generalsekretär Franz Schiefermair nicht mehr im Amt, ebenso die Dressurreferentin.
Am 7. September 2026 gab der Verband bekannt, dass Johannes Mayrhofer mit 1. Oktober die Funktion des Generalsekretärs übernimmt.
Ergänzend: Die AWÖ-Chronik führt Johannes Mayrhofer als Obmann der Arbeitsgemeinschaft für Warmblutzucht von 2017 bis 2022. Die Verbandsmeldung zur Bestellung nennt Erfahrung aus Pferdesport, Turnierorganisation und Pferdezucht.
Ein knappes Wahlergebnis, ein Wechsel an der Verbandsspitze, ein neuer Generalsekretär und fünf neue Referate innerhalb weniger Monate.
Was wir nicht recherchieren konnten
Damit klar ist, wo unsere Recherche endet:
Die Auswahl. Wie die fünf Personen gefunden, vorgeschlagen und bestellt wurden, ob es Ausschreibungen, Bewerbungen oder Abstimmungen gab, wissen wir nicht. Dazu ist nichts öffentlich.
Budgets. Was die einzelnen Referate zur Verfügung haben, insbesondere das neu geschaffene Reitschulreferat, ist nicht veröffentlicht.
Der Zusammenhang mit der Wahl vom April. Wir haben keine Belege dafür, ob und wie die Bestellungen mit dem Präsidiumswechsel zusammenhängen.
Funktionsdauer und Ehrenamtlichkeit. Auf wie lange die Referate vergeben sind und in welchem Umfang sie ehrenamtlich ausgeübt werden, geht aus der Meldung nicht hervor.
Einzelne Biografieangaben. Konkret: das Richterjahr 1998, Wächters berufliche Stationen und seine Jahre in Stadl-Paura, der akademische Titel bei Machné und bei Mösenbacher-Molterer, Wörgötters aktuelle AWÖ-Funktion.
Interessenkonflikte. Wir haben keine Prüfung darauf vorgenommen, ob und welche Regelungen der OEPS für Doppelfunktionen seiner Referentinnen und Referenten vorsieht, weil uns dazu keine öffentliche Grundlage vorliegt.
Fragen, die wir dem OEPS stellen würden
Gibt es ein Auswahlverfahren für Bundesreferate, und wenn ja, wie sieht es aus?
Bekommt das neue Reitschulreferat ein eigenes Budget und ein Mandat gegenüber den Landesverbänden, oder arbeitet es beratend?
Wie ist der Interessenausgleich geregelt, wenn eine Referentin gleichzeitig eine Partnerorganisation führt?
Werden Fortbildungen für Richterinnen und Richter künftig verbindlicher, oder bleibt es bei freiwilligen Angeboten?
Sollte der Verband antworten, veröffentlichen wir die Antworten ungekürzt.
Zum Schluss
Nichts an dieser Recherche spricht gegen die fachliche Eignung der fünf Personen. Bei mehreren ließ sich sogar deutlich mehr an einschlägiger Erfahrung belegen, als in der Verbandsmeldung steht.
Der Punkt ist ein anderer. Ein Verband mit rund 50.000 Mitgliedern besetzt fünf Schlüsselpositionen und informiert darüber im Format einer Personalvorstellung. Wer entscheidet, worüber entschieden wird und mit welchen Mitteln, bleibt außen vor. Diese Informationen müssten die Mitglieder nicht aus einem Blog erfahren.
Stand: September 2026. Alle Angaben nach bestem Wissen recherchiert. Korrekturen und Ergänzungen nehmen wir gerne entgegen und weisen sie im Text aus.



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